Arthur lebt - 2. Kapitel
 



"Ich war ein zorniger junger Mann" sagt Oliver und bleibt  vor dem großen Plakat stehen, auf dem verschiedene Bilder von ihm als "Arthur" zu sehen sind. Hmmm.

Mein Blick geht in dieselbe Richtung - Ja, jetzt, wo er es sagt - da sehe ich es.

Ein seltsamer Gegensatz zu dem milde lächelnden Mann neben mir. Dieses Zornige, Intensive, aber auch ungemein Lebendige, das scheint ihm jetzt ein bißchen zu fehlen. "Der Löwe schläft", geht es mir durch den Kopf. Und es ist fast ein trauriger Gedanke.

Ich mache eine unglückliche Bemerkung - leichtsinnig hingeworfen, da plötzlich zuckt es auf - "So etwas tut man nicht..." - sagt er mit dunklem Timbre. Oh wow! Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam das. Und ich kann mir nicht helfen, es gefällt mir. Der Funke ist also noch da.

 

 

Währenddessen geht die Frage- und Antwortstunde weiter. Oliver hält auch heute noch "König Arthur" für eine gute Arbeit. "Wir haben alle drei sehr ehrlich gespielt" - und er beantwortet auch unsere Fragen mit großer Offenheit und gibt zu, das er selber die Serie nie angeschaut hat. Jetzt hat er ein paar Folgen zusammen mit seinem 6-jährigen Sohn Luke gesehen - und der guckt ihn jetzt irgendwie anders an!

Familie ist wichtig. Für ihn und für seinen Bruder, wenn auch vielleicht auf unterschiedliche Weise. Sein Privatleben schützt er und betont das. Und ich frage mich, warum es eigentlich notwendig ist, eigens darauf hinzuweisen? Ist es nicht selbstverständlich, daß das Private privat ist? Dann denke ich an all die vielen Geschichten über die Stars, die täglich irgendwo kursieren. Und Oliver ist in einem Schauspieler-Haushalt aufgewachsen, er stand mit 21 Jahren selbst schon im Rampenlicht, ein Star. Was mag das für ein Leben sein, das immer auf Abstand gehen muß um das Private zu wahren?

Allmählich hat sich Oliver zurechtgefunden in seiner Rolle als meistgefragter
Mann im Raum. Die Tische sind in U-Form aufgestellt, Oliver, Benedict, und
Monica, die extra aus Kalifornien gekommen ist, sitzen am Ehrentisch an der
Schmalseite. Alle sind deutlich entspannter, und die Fragen und Antworten
kreisen nun mitunter um andere Themen als "Arthur".

"Mein Bruder führt auch Regie", sagt Benedict "und was ich am meisten an ihm dabei mag, ist, dass er die Leute auf der Bühne zum reden bringt. Sie fangen an, wirklich miteinander zu REDEN - und sagen keinen Text mehr auf". Immer, wenn jemand seine Bewunderung für Oliver ausdrückt, ist es ihm ein ganz kleines bischen unangenehm. Sein Gesicht wird dann bewegungslos und er wartet, daß der Moment schnell vorübergeht.  

Ansonsten spielt sich allerlei ab in diesem Gesicht, das fällt vor allem auf, als das Quiz an der Reihe ist. 40 Fragen rund um Arthur, mit vielen Dialogbeispielen, und als Oliver sie liest, ist es fast zu schade, auf's eigene Blatt zu gucken - ganz davon abgesehen, daß ich die meisten Antworten eh' nicht weiß! Bei einigen Stellen, in denen Originaldialoge als "Arthur" zum Vorlesen sind, ist es ein Schauspiel, ihm dabei zuzusehen - Sein Gesicht verzieht sich, eine Augenbraue hebt sich leicht, und man hört förmlich wie er denkt "Was, das habe ich mal gesagt?"

Gleichzeitig ist es dann plötzlich doch, als ob Arthur hier bei uns sitzt. Eine Geste, ein Blick, und für einen Moment schiebt sich das Bild des jungen Schauspielers über das des Mannes von heute. Es ist dunkel geworden, und die künstliche Beleuchtung, das Wechselspiel von Licht und Schatten, verstärkt diesen Eindruck noch.

Endlich kommt auch das Essen - Alle sind inzwischen hungrig, und ich habe das unwirkliche Gefühl, gleichzeitig hier zu sein und ganz woanders - diese Aufstellung der Tische, dass ist uralt, so haben Arthur und seine Leute auch schon gesessen - wir könnten alle auch dort gewesen sein. Als ich zum Tisch von Oliver hingucke, wird mir fast unheimlich - wen sehe ich da? Ist das Arthur? Ein älterer Arthur, der hier im Kreis seiner Leute sitzt? Oh! Ich mache eine Entdeckung - es ist die Art, wie er isst! Du meine Güte! Na ja, So etwas schauspielert man wohl nicht - es ist genau wie im Film! :-)

Und was würde Oliver Tobias aus so einer Rolle machen? Arthur jetzt, als älterer Mann - das fände ich aufregend, aber nur, wenn er es spielt. Er hat diese Kraft, und dieses Enigma dass es dafür bräuchte. Und wenn er ehrlich interessiert wäre dass zu machen - ich meine, er ist ein toller Schauspieler! Seine Bandbreite ist beeindruckend, und trotzdem wirken seine Rollen fast immer so, als ob er gerade nur mit leichter Hand diesen speziellen Charakter hingeworfen hätte und noch viel übrig wäre, das es wert wäre zu sehen.

Erschreckenderweise ist er übrigens auch noch ein begabter Schriftsteller. Zum Ausklang des Abends hat er sich eine besondere Überraschung für uns ausgedacht. Auf einer Holzbank mit hoher Rückenlehne hat er jetzt Platz genommen, neben ihm ein Tisch mit Kerzen. In der Hand hält er zahlreiche Manuskriptbögen. Es sind Teile seiner Autobiographie, an der er seit einiger Zeit schreibt. Oliver liest uns das Kapitel vor, in dem es um die chaotischen Dreharbeiten zu dem Film "The Stud" mit Joan Collins geht. Er findet genau den richtigen Ton, um aus einem Thema, das leicht ins Voyeuristische und Platte hätte abgleiten können (Im Film sind zahlreiche Sexszenen der durchaus freizügigen Art) eine amüsante und doch ehrliche Story zu machen, bei der er sich selbst nicht schont.

Benommen von diesem letzten Highlight des heutigen Tages, den vielen Eindrücken und dem verklärenden Licht der Kerzen, die irgendwie immer mehr zu strahlen scheinen, wird mir ganz klar, dass es für heute nur noch eine wesentliche Erkenntnis zu gewinnen gibt - die, daß es ist endgültig Zeit für's Bett ist...

Ende des 2. Kapitels

 
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photo: Copyright Monica Friedlander

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