So Fern - so Nah
"Tribut für König Arthur und Oliver Tobias" - Wochenende 28./29. August 2010
eine Geschichte in 5 Kapiteln - by rg


Brüder und ähnliches mehr... - 1. Kapitel

Oliver Tobias erinnert mich an einen Löwen, so wie er auf diesem dunklen Ledersofa in der Hotellobby sitzt, intensiv im Gespräch mit dem Musiker Craig Pruess. Verhaltene Kraft, und irgendetwas scheint immer dicht unter der freundlichen Oberfläche zu schlummern.

Ich bin zu diesem Wochenende mit dem Schauspieler extra aus München angereist. "Tribute to Arthur of The Britons and Oliver Tobias" heißt es auf der Einladung.

Wir sind in Stroud, einem kleinen Ort in der Nähe von Bristol im "West Country" wie mir ein Einheimischer sagt. Und ich erinnere mich dunkel - hieß es nicht irgendwo "Arthur of the West" in der 70er-Jahre-Serie, in der Oliver Tobias so unvergeßlich den "Arthur" gespielt hat?

Und was war das für ein Arthur - jung, mit langen dunklen Haaren, ganz im Stil der Entstehungszeit der Serie. "Ein schöner Mann, ich habe nie einen schöneren gesehen" sagt mir im Gespräch einmal jemand, und ich kann mich nicht entscheiden. Das konnte ich noch nie. Schon als ich mit 14 Jahren die Serie im ZDF verfolgt habe, und, sagen wir es einmal so, ganz schön angetan von ihm war, (hey! ich war 14!!!) gab es da die Szenen, wo er einfach klasse aussah - ganz Mädchentraum - und dann gab es aber die Momente, in denen seine Augen ganz klein wurden und plötzlich bös wirkten.

Überhaupt, diese Augen. Blau, was man wiederum nur unter bestimmten Umständen sehen konnte, aber merkwürdig ungleich in dieses Gesicht gestellt. Dazu das markante, eigenwillige Kinn. Macht das ein schönes Gesicht? Ich weiß es nicht. Aber zumindest macht es ein sehr eigenes, das unverkennbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Auch heute noch. Seit "Arthur" sind über 30 Jahre vergangen und mit jetzt 63 Jahren stehen diese markanten Gesichtszüge Oliver Tobias auf den aktuellen Agenturbildern gut zu Gesicht. Ein soignierter Herr in den besten Jahren blickt einem entgegen, mild, vielleicht ein wenig ironisch, scheint er ein bischen von oben herab eher abgeklärt auf die Welt herunterzublicken.

Erkennen werde ich ihn also wohl, denke ich, als ich, zusammen mit Wendy van der Veen, die dieses ganze Event organisiert hat, am Samstagvormittag vor dem Hoteleingang stehe, um Oliver, der zusammen mit seinem Schauspieler-Bruder Benedict (Freitag) angereist ist, zu empfangen.

Und zu erkennen ist er tatsächlich sofort - wenn er in diesem Moment auch nicht sehr soigniert wirkt, denn was mußten er und sein Bruder tun? Genau. Sie sind auf Ihren Ducatis - Motorrädern - gekommen! In ihrer macho-mäßigen Motorradkluft sehen die beiden eher wie zwei Biker auf Heimaturlaub aus - ein bischen gefährlich, ein bischen raubtierhaft - aber das paßt ja irgendwie!

 


Zwei Raubtiere...
 

Natürlich nähern wir uns den zwei Raubtieren erst einmal vorsichtig - man weiß ja nie. Doch kaum ist das erste "Hello" gesagt, wird gleich klar, dass wir hier keine Angst haben müssen - im Umgang mit dem Publikum sind beide geübt und Oliver fängt gleich an zu erzählen, von seiner Ducati, einem über 30 Jahre alten Sammlerstück, dass ihn durch alle Höhen und Tiefen seines bisherigen Lebens begleitet hat. Er spricht nicht besonders laut, dass hat er nicht nötig: Man hört einfach zu, wenn er etwas zu sagen hat. Während er noch auf seiner Maschine sitzt und geduldig für die anwesenden Fotografen posiert, ist sein Bruder schon längst von seiner heruntergesprungen, hat die Jacke geöffnet, eine Zigarillo angesteckt und hält nun Ausschau nach einem Standplatz für das Gerät.

Nervöse Energie erfüllt Benedict Freitag. Selten bleibt er lange an einer Stelle, immer ist aber auch etwas zu erledigen, zu besorgen, auch für den älteren Bruder, zu dem er im einen Moment bewundernd aufblickt um ihn im nächsten triumphierend anzugrinsen, weil er etwas eher gesehen hat - oder besser weiß. Oliver - ganz großer Bruder - läßt es sich gefallen, nur wenn der Jüngere einmal zu weit zu gehen droht, blitzt es kurz in seinen blauen Augen auf - und schon ist Benedict aus der Gefahrenzone verschwunden.

Benedict und Oliver trennen 5 Jahre, eine große Kluft wenn man heranwächst. Oliver wurde mit 10 Jahren in ein englisches Internat gepackt - und ist danach nie wieder richtig nach Hause in die Schweiz zurückgekommen. Die Eltern sind geschieden. Oliver besucht nach Beendigung der Schulzeit eine Schauspielschule in London. Benedict erinnert sich, dass, sobald die Ferien da waren, er nach England gefahren ist. Da ging damals die Post ab. "Swinging London" - wer kennt das nicht? Carnaby Street, Rolling Stones, The Who... Es muß eine verrückte Zeit an einem verrückten Ort gewesen sein.

 
     
 

In der bayerischen Provinz konnten wir davon nur träumen. Die große weite Welt war vor allem eines - sehr weit weg. Besichtigen konnten wir sie allerdings - im Fernseher, der eigentlich zu dieser Zeit in jedem Wohnzimmer stand. Manchmal frage ich mich, wo wir wohl ohne ihn hingekommen wären? Verteufelt worden ist er ja oft genug, aber es ist auch wahr, dass er das Schaufenster zur neuen Zeit gewesen ist. Die Erwachsenen mögen den Kopf geschüttelt haben, aber wir haben wie selbstverständlich die Moden, die Musik, den Haarstil - und auch die Rebellion gegen das Althergebrachte, Dröge, Autoritäre aufgenommen und bis in den letzten Winkel des allerletzten Bergdorfes gebracht.

 

 

 

 

Da kamen die Fernseh-Geschichten über einen jungen Arthur, der vom Aussehen her genausogut ein Pop-Star hätte sein können, und dem von der ersten Folge an immer wieder alle möglichen Leute widersprochen und gegen ihn gekämpft haben - die eigenen Gefährten wie Kai und Llud genauso wie die keltischen Verbündeten und erst recht die feindlichen Sachsen - gerade recht.

Dieser Arthur brauchte keinen runden Tisch um zu beweisen, dass alle gleich waren, das waren sie sowieso! Und ich weiß gar nicht in wie vielen Folgen sich Arthur erst durch eine List oder eine kluge Rede oder sein Geschick mit dem Schwert durchsetzen muß. Der Anführer war er schon, das war klar. "Arthur wollte seine Leute, sein Volk beschützen" sagt Oliver später auf eine entsprechende Frage hin während der "Question and Answer"-Stunde am späten Nachmittag. "Es war eine rauhe Zeit, in der es nicht angenehm gewesen sein kann zu leben."

Auch die Filmarbeiten können nicht immer angenehm gewesen sein. Gedreht wurde viel im Freien, die Stunts wurden praktisch alle von den Schauspielern selbst ausgeführt! Doch die beiden Hauptdarsteller waren jung und fit, viele der Statisten ) waren Studenten "alle hatten echtes, langes Haar..." wie Oliver sagt und man bekommt den Eindruck, daß es auch ein bißchen ein Ausflug ins Wilde, ins Freie und ins Abenteuer gewesen sein muß.

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Bilder: Hintergrundbild: by Wendy van der Veen, mit freundlicher Genehmigung
2 Bilder von "König Arthur": Screencaptures DVD.
Agenturbild: Fundort www.agentur-lentz-reinholz.de
2 Fotos mit Motorrädern: by rg
 
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letzter update 15.10.2010 +++ Gestaltung rg / 8.10.2010


 

 

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